Illustrationsworkshop in “Together”, Addis Abeba – März 2014

Im März 2014 wurden  zwei Illustrationsworkshops von Barbara Nascimbeni und Minias Girma durchgeführt. Sie wurden von der Hilfe für Afrika e.V. organisiert und finanziert. Hier ist Barbaras Bericht und Photos zu den zwei Workshops.

“Endlich ist es soweit!

Nach mehreren Jahren Freundschaft und einem gemeinsamen Buch -“Wenn der Löwe brüllt” – besuche ich die Autorin Nasrin Siege, um in ihrem derzeitigen Wohnort Addis Abeba drei Illustrationsworkshops zu gestalten. Die offizielle Einladung des Goethe Instituts von Addis Abeba für einen Drei-Tage-Workshop mit Kunststudenten ermöglichte Nasrin, unterstützt von Hilfe für Afrika e.V., weitere lllustrationsworkshops in zwei der von Hilfe für Afrika unterstützten Projekte zu organisieren: Zwei Tage im Projekt “Let me be a child” und drei Tage in “Together!”, einem Projekt, das schwer sehbehinderten und blinden Frauen und Männern auf vielfältige Art hilft.

In diesem Bericht möchte ich von der Arbeit mit den blinden und sehbehinderten Frauen und Männern von „Together!“ erzählen.

Mir zur Seite stand der äthiopischen Künstler Minias Girma. Die Zusammenarbeit mit ihm war sehr schön. Die drei Arbeitstage in „Together!“ waren sehr spannend für uns, für die Mitarbeiter des Projekts, für die Frauen und Männer, die dabei waren und die intensiv und begeistert an dem Workshop teilgenommen haben.
Die Gruppe bestand aus zwölf Frauen und Männern; drei Projektmitarbeiter haben uns und den Teilnehmern zur Seite gestanden.

Barbara und die Kursteilnehmer

Die Anfangsidee war an klappbaren Karten mit der Technik der Collage zu arbeiten. Dafür hatten wir alle möglichen Materialien gesammelt und einiges in Deutschland und in Addis Abeba gekauft.

Als Erstes hatten wir alles gesammelte und gekaufte Material auf einem großen Tisch ausgebreitet: Kartons und Papiere mit unterschiedlichen Oberflächen und Farben, Filz, Schmirgelpapier, Aluminiumfolie, Stoffe, Schwämme, Wolle, Fäden, Korken, Perlen, getrocknete Blätter, Muscheln, Steine, getrocknete Linsen und Gewürze und einiges mehr lagen auf dem Tisch. Zusammen mit den TeilnehmerInnen gingen wir dann tastend und fühlend die verschiedenen Materialien durch und beschrieben und benannten sie mit ihnen.
Wichtig war für mich auch in diesem Workshop die Erfahrung, die die Teilnehmer im Prozess der Gestaltung mit sich, mit den Materialien und den unterschiedlichen Techniken machen würden.

Material_Fühlwand

Der erste Schritt in diesem Prozess war das Ausprobieren der unterschiedlichen Übungen auf Papier.
Die Teilnehmer haben mit Nadeln Formen in Papier gestanzt; die kleinen Löcher ergaben eine interessante fühlbare Oberfläche auf der Rückseite des Papiers.
Mit unterschiedlichen Plastikschablonen – Tiere, Schiffe, Zug, Flugzeug, Autos – haben die Frauen und Männer die Formen nachgestanzt und farbig mit Acrylfarbe angemalt. Sie haben die Farben ausgesucht, die sie für das Ausmalen benutzen wollten. Öfters wurden wir gefragt, ob das Bild gut aussieht. Und es sah gut aus! So haben sie weiter experimentiert: Mit dem Ausschneiden, Kleben von farbigem Papier und Materialien, mit ihrem Aussuchen von Farben und Oberflächen.

Künstlerhände

Einige Frauen und Männer, die spät erblindet waren, konnten zeichnen und hatten zu bestimmten Formen mehr Zugang als andere, die nie ein Gesicht, ein Haus, ein Auto oder Blumen gesehen hatten.
Einige, die seit früher Kindheit blind waren, haben abstraktere Bilder hergestellt.
Am letzten Tag haben wir Papiere mit Kerzenwachs und schwarzer Tusche bestrichen. Mit einem spitzen Bleistift oder Kugelschreiber haben die Frauen und Männer die Oberfläche eingeritzt und konnten mit den Fingern fühlen, was Sie gemalt hatten.

All diese Bätter sind ganz toll geworden, jedes auf seine Art, genauso wie die Arbeiten an den anderen Tagen.
Minias und ich waren sehr berührt und beeindruckt von der Ernsthaftigkeit, dem Engagement und der Kreativität der TeilnehmerInnen. Unsere Begegnung mit den Frauen und Männern war sehr intensiv; unsere Kommunikation hat zum großen Teil über die Berührung unserer Hände stattgefunden.

Es war für alle eine tolle und außergewöhnliche Erfahrung.

Ich danke Nasrin Siege für die logistische Unterstützung und Hilfe für Afrika e.V. für die finanzielle Unterstützung dieses Projektes (u.a. Finanzierung von Materialien). Ohne diese Unterstützung hätten diese Illustrations-Workshops nicht stattgefunden.
Ich hoffe, dass dieses Beispiel mehr Menschen motivieren wird die Arbeit von Hilfe für Afrika e.V. zu unterstützen.

Gruppenbild3

Ich wünsche „Together!“ und den von dem Projekt unterstützten Frauen und Männern alles Gute!”

Barbara Nascimbeni

www.barbaranascimbeni.com
www.nasrin-siege.com

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