Bericht von Let me be a child (Lmbac) von Dezember 2020

Bericht von Let me be a child (Lmbac) von Dezember 2020

Seit Ende Oktober 2020 haben die Schulen in Äthiopien wieder geöffnet. Für die Kinder heiß ersehnt!
Während des ersten Lockdowns waren die Schulen geschlossen und auch in der Insel in Addis Abeba konnten die laufenden Programme nicht mehr stattfinden. Das heißt, die Kinder bekamen nicht, wie zuvor ein warmes Mittag- und Abendessen, hatten keine Nachmittagsaktivitäten in den Projekträumen und auch kein Frühstück, dass sie normalerweise am Abend für den nächsten Morgen mit nach Hause nehmen.

Lmbac musste sich in dieser Zeit umstellen: Die Mitarbeiter kauften Lebensmittel ein, packten diese in Portionen und die Kinder kamen regelmäßig in kleine Gruppen, mit Mundschutz, und holten sich die Lebensmittelpakete und das zusätzliche Hygienematerial ab.

Hatte ein Kind ein besonderes Bedürfnis nach einem Gespräch, fand das, unter Berücksichtigung der Corona-Situation, mit der Sozialarbeiterin statt.

Die Kinder blieben also zu Hause und da sie in der Regel in sehr beengten und ärmlichen Verhältnissen wohnen, war das für sie sehr schwierig zu bewältigen. In einem Zeichenprojekt drückten sie „ihre Gefühle, Ängste und Sorgen“ zu Corona aus.

Ende Oktober konnten die Kinder der Insel wieder in die Schule gehen und auch die Aktivitäten des Projekts finden wieder statt. Die Kinder verbringen nun, wie gewohnt, die regulären Zeiten in den Räumen des Projekts – immer aber mit Maske.
Etagegne Bierig, die Gründerin von Lmbac, besuchte das Projekt im November. Aufgrund der poltischen Unruhen, war sie gezwungen ihre Reise jedoch zu kürzen.
In einem Telefonat schilderte sie uns die Situation vor Ort:
Viele Menschen erleiden Hunger und sind in Gefahr zu verhungern, ausgelöst durch die Zerstörung ihrer Felder durch Heuschrecken und starken Regenfällen. Hinzu gekommen ist Corona und der Krieg im Norden.
Die Kinder und die Mitarbeiter*innen sind froh, dass sie ihren Alltag wieder etwas „zurückhaben“, aber sie sind auch „vorsichtiger und unsicher … sie machen sich Sorgen wegen der Pandemie und auch wegen der politischen Situation … .“

Bitte unterstützen Sie uns, damit wir „Let me be a child“ auch in 2021 unterstützen können.

Newsletter von Chaco


© for all images CHAKO

In diesem Newsletter finden Sie die neuesten Informationen zu CHACO. Hierzu schreibt uns die Projektleitung: “Although very much challenged by Covid-19 we are doing our very best to support our staff and the most needy people. Poverty increased a lot, people lost their jobs now tourists stay away from the island.”

NEWSLETTER Intro 2020 Glass

NEWSLETTER Q1 2020 Glass

NEWSLETTER Q2 2020 Glass

Together! – Wie geht es den blinden und sehbehinderten Frauen, Männern und Kindern des Projekts während der COVID-19 Pandemie?

Ein Bericht

Together! ist eine äthiopische NRO, die mit einem ganzheitlichen Programm sozial schwachen blinden und sehbehinderten Menschen hilft, langfristig auf eigenen Füßen zu stehen. Die meisten von ihnen sind aus dem Bildungssystem gefallen, viele sind nicht oder nur wenige Jahre zur Schule gegangen, kaum einer von ihnen hat eine Ausbildung erhalten. Blinde und auch Menschen mit anderen Behinderungen, die zudem noch arm sind, trifft die Corona-Pandemie in Äthiopien besonders hart. Ohne jedwede Unterstützung ernähren sie sich von Tag zu Tag durch Gelegenheitsjobs oder durch Betteln auf der Straße. Sie leben von der Hand in den Mund, sind unterernährt und in ständiger Gefahr krank zu werden. Sie haben keinen leichten Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung, Hygieneartikeln und den nötigen Informationen darüber wie sie sich, in diesem Fall, vor Corona schützen sollten. Und selbst, wenn sie die Informationen hätten, bleiben sie weiterhin gefährdet. Die Corona-Pandemie bedroht sie mehr als alle anderen, denn zu wissen, dass häufiges Händewaschen mit Seife vor Corona schützt hilft nur, wenn man sauberes Wasser und Seife hat.

Berhanu Belay (Direktor von Together!) sagt, dass das Programm von Together! seit Ausbruch der Pandemie nicht mehr voll und ganz durchgeführt werden kann.
Bis auf die Mitarbeiterin, die das Haus bewacht, arbeiten alle anderen vorwiegend im Home Office. Da das nur beschränkt möglich ist, kommen sie, unter Beachtung der Kontaktbeschränkungen, an festgesetzten Tagen ins Together-Zentrum. „Obwohl alle Angst vor Corona haben versuchen sie von hier aus die Arbeiten zu machen, die sie von Zuhause aus nicht machen können“, sagt Berhanu Belay. „Zum Glück haben wir unseren projekteigenen Wagen, mit dem wir sie abholen und wieder nach Hause bringen können. Die Ansteckungsgefahr in den lokalen Bussen wäre zu groß.“
Das Frauenhaus, das vor der Pandemie mit 6 bis 10 Frauen und deren Kindern bewohnt war, musste bis auf Weiteres schließen. Together! hatte gerade planmäßig die letzte Gruppe der Frauen und Kinder in das Outreach-Programm verlegt (nach einem Jahr müssen die Frauen das Frauenhaus verlassen und wohnen in angemieteten Wohnungen), als die Pandemie ausbrach. „Wir hatten begonnen die nächste Gruppe zusammenzustellen, als wir von den Sozialbüros der Regierung die Auflage bekamen, bis auf Weiteres keine neuen Frauen aufzunehmen. Allerdings durften wir kurze Zeit danach eine Frau und ihre zwei Kinder aufnehmen. Als Notfälle. Sie werden von uns so versorgt wie zuvor die großen Gruppen. Zwei Mitarbeiterinnen lösen sich im Monat in ihrer Betreuung ab.“
Mit der Pandemie musste auch das „Day-Care-Center“ (Kindertagesstätte) von Together! schließen. Hier wurden vor der Pandemie die Kinder des Frauenhauses und Kinder von anderen erblindeten Eltern tagsüber versorgt, während diese z.B. ein Ausbildungsprogramm durchliefen oder zur Arbeit gingen.
Da die Schulen, die Kindertagesstätten und alle Bildungseinrichtungen geschlossen sind, müssen die Familien und Einzelpersonen, die in den unterschiedlichen Programmen von Together integriert waren, mit ihren Kindern zu Hause bleiben. Das bedeutet, dass z.B. diejenigen, die gerade eine Ausbildung machten, diese nicht fortsetzen können…. „mit Ausnahme der Postgraduierten, die online weiterlernen können. Alle Schüler und Studenten, die wir unterstützen, müssen zu Hause bleiben. Für die unteren Klassenstufen gibt es Radio- und Fernsehübertragungen von Bildungskanälen. Diese können aber nur von denjenigen genutzt werden, die Zugang zu einem Radio oder Fernseher haben.“ (Awoke Dagnew, Mitarbeiter von Together!).

Zum Konzept des Projekts gehört auch die Reintegration bzw. Integration der von ihm Betreuten ins Berufsleben. Beruhigend ist, dass diejenigen, die vor dem Ausbruch der Pandemie einen Arbeitsplatz hatten, gesetzlich vor Entlassungen geschützt sind. „Doch diejenigen, die vor dem Ausbruch der Pandemie auf Arbeitssuche waren, wissen nicht weiter.“ (Awoke Dagnew).
„Wir von Together machen uns große Sorgen wegen den Gefahren, denen von Armut betroffene, blinde und sehbehinderte Menschen in den Armenvierteln während der Corona-Pandemie ausgesetzt sind.“ (Awoke Dagnew/Together). Erleichtert beschreibt Berhanu Belay die große Unterstützung des Projekts durch die Regierung, durch lokale und auch ausländische Hilfsorganisationen wie Hilfe für Afrika e.V. „So können wir unseren Schützlingen mit Lebensmitteln, Hygiene-Material und Geld in dieser schwierigen Zeit unter die Arme greifen.“

Doch nicht nur die eigenen Schützlinge werden von Together! unterstützt. Um der Verbreitung von COVID-19 vorzubeugen, sind Informationen darüber, wie man sich und andere vor der Ansteckung schützen kann, für alle wichtig. Mit der finanziellen und technischen Unterstützung von DATA4CHANGE informierte Together! mit einem Lautsprecher auf einem Wagen an drei Tagen die Bewohner mehrerer Stadtteile in Addis Abeba über COVID-19 und erreichte damit schätzungsweise 50.000 Einwohner. Gleichzeitig wurden Informationen zu COVID-19 auf Facebook gepostet und Beiträge im nationalen Rundfunk gesendet und waren somit Millionen Äthiopiern zugänglich.

 

„Wir hoffen, dass wir im Juli die nächste Gruppe Frauen in unserem Frauenhaus aufnehmen können“, so Berhanu Belay. „Wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind , vorausgesetzt, dass sich die Situation mit Corona soweit geändert hat, dass dies möglich ist.
„Bis dahin versuchen wir unsere Arbeit so gut wie möglich zu machen. Jeder im Team gibt sein Bestes.“ (Berhanu Belay).

 

© For all images Together!

Am 16. Juni 2020, dem internationalen Tag des afrikanischen Kindes, hat Nasrin Siege – Gründerin und Vorsitzende von Hilfe für Afrika e.V. – die Geschichte “Ich will auch zur Schule gehen” gelesen.

Hintergrund: Der Aufstand in Soweto hatte zahlreiche Todesopfer gefordert und führte zu lang andauernden, landesweiten Protestaktionen gegen die rassistische Bildungspolitik und das gesamte Apartheid-Regime des Landes. Auslöser des Aufstandes waren die Pläne des Bildungsministers, wonach Afrikaans, die Sprache der weißen burischen Herrschaftsschicht, als verbindliche Unterrichtssprache eingeführt werden sollte. Die schwarzen Schülerinnen und Schüler, die diese Sprache zum Teil kaum beherrschten, sahen sich dadurch ihrer Chancen im Bildungssystem beraubt. Sie formierten sich am 16. Juni 1976 zu einem Demonstrationszug mit etwa 15.000 Teilnehmern. Die Polizei schlug die Demonstration blutig nieder: Nach ihren Angaben starben bei den Auseinandersetzungen 575 Menschen, die Gegenseite spricht von weit höheren Opferzahlen. Zahlreiche Kinder und Jugendliche wurden inhaftiert. Durch Folter versuchte die Polizei, die Anführer des Aufstands herauszufinden. Die Unruhen griffen auf andere Townships über und dauerten bis 1978 an. Darüber hinaus kam es zu Streiks und zu internationalen Protesten.

Auf der Seite die-mainautoren beschreibt Nasrin Siege u.a. wie dieser Tag mit und von den Kindern des Dogodogo Straßenkinderprojekts gefeiert wurde:

Das war immer ein besonderer Tag für unser Straßenkinderprojekt in Dar-es-Salaam: Der 16. Juni – der internationale Tag des afrikanischen Kindes! Rund um diesen Tag unternahmen wir mit den Kindern Aktionen, die Spaß machten und gleichzeitig an die Kinder Sowetos und dem Beginn ihres Aufstands (1976) gegen die rassistische Bildungspolitik des Apartheidregimes Südafrikas erinnerten. Damals hatten wir die von einigen Jungen gegründete Green Band, mit der sie eigene Lieder und Musik vorführten. Wochen vor dem 16. Juni trafen sich die Jungen, verfassten neue Lieder, übten das Singen und das Spielen auf ihren Instrumenten. Der Gedenktag war immer ein Freudentag für sie, die selbst aus problematischen Verhältnissen stammten; Hunger, Gewalt und Ausgrenzung erlebt hatten, aus dem Bildungssystem hinausgeschleudert worden waren und nun im Straßenkinderprojekt eine ganzheitliche Hilfe fanden. UNICEF unterstützte uns an diesem Tag mit Getränken, Lebensmittel und anderen Geschenken, die einen Bezug zu diesem Tag hatten. Ich sehe heute noch die strahlenden Gesichter der Jungen in ihren neuen weißen T-Shirts mit der Aufschrift „Day of The African Child“. Lasst auch uns dem internationalen Tag des afrikanischen Kindes gedenken. Den Kindern Sowetos, die für ihr Recht auf Bildung und gegen den Terror der Apartheid auf die Straße gingen, aber auch den Kindern Afrikas, denen bis heute das Recht auf Bildung verwehrt wird. „Ich will auch zur Schule gehen“, war ein häufiger Satz von den Straßenkindern des Projekts. Für uns, die Mitarbeiter, war das die Aufforderung, ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen.